Geistige Sturzflüge

Sind Kleingärtner wie Du und ich?

Klar, daran gibt es keinen Zweifel, vielleicht nur etwas fleißiger und lauter, als der durchschnittliche Deutsche, denn zu tun ist im Garten immer was. Wobei das Pflanzen und Ernten längst nicht alles ist. Es wird gemauert, verputzt, lackiert, gebohrt und gehämmert das es nur so kracht, bis die eigene Gartenlaube, inklusive Terasse, endlich zur Villa mutiert ist. Ok, die erlaubten 75 Dezibel werden dabei meistens überschritten, was aber keinen zu stören scheint, denn immerhin ist Sonntag Ruhetag. Gegrillt werden darf zwar immer, aber die dazu erforderlichen Tiere dürfen nicht mehr im Garten gehalten werden. Im Gegensatz zu früher, als Hühner und Kaninchen noch, bis zur unabänderlichen Grillorgie in Kleingärten und winzigen Käfigen (zumindest Kaninchen) ihr Leben fristen mussten. Dank der Massentierhaltung, bereitet das Verbot den Kleingärtnern, abgesehen vom Fehlen des früher als Dünger genutzten Mistes, keine Probleme.    

Angebaut wird, bis auf Bananen und andere exotische Südfrüchte so gut wie alles, womit Kleingärtner immerhin, die ständig steigenden Lebensmittelpreise zumindest etwas ausgleichen können. Aber Kleingärtner haben nicht nur finanzielle Vorteile, auch ihre gegenseitige Hilfsbereitschaft wirkt sich positiv aus. Ob die früher sogar noch weitgehender war, wie von älteren Kleingärtnern (oft ehemalige 68er) behauptet wird, darf wohl bezweifelt werden. Allerdings finden solche Unterhaltungen, wie auf dem Bild unten, nur noch selten statt. 

    

Die folgende Geschichte, die sich tatsächlich so ereignet hat, ist zum Glück untypisch. Eventuelle Ähnlichkeiten mit jetzigen Kleingärtnern sind ungewollt und rein zufällig. 

Mord im Kleingarten

Am Abend des 22. September 2008 erschlug der 65-jährige Rentner Wilfried Reinecke aus dem niedersächsschischen Gifhorn drei Menschen auf Grund nicht ordungsgemäß entsorgter Gartenabfälle; das Ehepaar Gisela und Hans Kaczmarek, 59 und 64 Jahre alt, und ihren 33-jährigen Sohn Martin. Dabei schlug der Rentner mit einem Eichenknüppel so fest zu, bis die Schädel seiner Opfer zertrümmert waren. Anschließend warf er den Knüppel in die Aller und ging nach Hause. Als der Gerichtspsyichiater ihn ein Jahr später fragte, was ihm auf dem Heimweg durf den Kopf gegangen sei, antwortete der Mörder: „Nichts.“ Reinecke ist kein passionierter Gewaltverbrecher, kein Asozialer und seinem Empfinden nach kein Psychopath. Er ist ein Mann, der schlichtweg Recht hat. Und was Recht ist, das muss auch Recht bleiben. Als Besitzer eines Kleingarten hat er stets darauf geachtet, dass alles seine Ordnung hat. Und er fühlte sich zuständig, jede Regel war bei ihm in guter Hand. Er überwachte die Straßenverkehrsordnung, das Kleingartengesetz der Bundesrepublik Deutschland und das des Landes Niedersachsen. Kleingartengesetze gehören zu den strengsten Gesetzen der  Nation. Die Maximalgröße einer Gartenlaube und die maximale Höhe der Bäume von vier Metern. Selbst das Verhältnis von Zier- zu Nutzfläche duldet keine Unordnung. Ein Paradies für ordnungsliebende Menschen wie Reinecke. 42 Jahre lang hat er bei VW gearbeitet, ein einfacher, korrekter, anständiger Mensch, immer pünktlich, immer plichtbewusst. Seit er in Rente gegangen ist, hat er eine neue Lebensaufgabe gefunden, die Kleingartensiedlung. Von nun an hat er die Kolonie Tag für Tag persönlich inspiziert und kontrolliert. So gründlich, dass dort bald fast niemand mehr hausen und gärtnern wollte. Viele gaben ihren Garten auf. Auch Familie Kaczmarek wäre fast weggezogen, als 2005 ihre Laube in Flammen aufging. Doch dann einigten sie sich mit ihrem Nachbarn und nutzten von nun an dessen Grundstück. Fatalerweise hockten sie nun in unmittelbarer Nachbarschaft von Reineckes selbstgenutzter Pazelle, ihre Bäume beugten sich nicht der Vorschrift und die Kaczmareks hielten Kaninchen. Reinicke hätte sie gerne aus der Siedlung geschmissen. Er brauchte Ordnung. Die Kaczmareks aber lachten ihn aus. Reinecke baute eine Schranke vor den Grasweg und verwaltete die Schlüssel. Aber der junge Kaczmarek kletterte einfach darüber und zerstörte sie dadurch. Reinecke griff zu Pollern, unzerstörbar und massiv. Die Kaczmareks und die anderen Pächter parkten ihre Autos nun auf der Straße. Reinecke prüfte den Abstand zum Fahrradweg und erstattete haufenweise Anzeigen. Fataler noch war aber die Sache mit der Grundstücksgrenze. Ihr genauer Verlauf war in keinem Dokument erfasst. Ein folgenreiches Versäumnis. Für Reinecke verlief sie dem eigenen Hörensagen nach auf der Mitte des Weges. Dieser gefühlten, geglaubten und geschätzten Grenze galt es Respekt zu verschaffen. Wer den Grasweg mähte, durfte dies nur bis zur Luftgrenze tun. Dahinter gegann Reineckes unantastbares Reich der Gräser, Gänseblümchen und Wegeriche. Den unbefugten Mähern drohte er in einem Wutanfall an, sie totzuschlagen. Er streute Reisig aus, um die Rasenmäher zu schädigen, aber die Nachbarn fegten das Reisig einfach zur Seite. Reinecke verteilte es erneut. Die Nachbarn warfen es über den Zaun. Reinecke warf es zurück. „Wer sich mit mir anlegt“, drohte er finster, „der legt sich mit dem Teufel an, und wer sich mit dem Teufel anlegt, der muss durch die Hölle gehen.“ Die Kaczmareks lachten. Reinecke blieb nur noch der Knüppel. Am Abend des 22. September 2008 findet er einen provozierenden Reisighaufen direkt vor seinem Gartentor. Abgeladen hat ihn ein anderer Feind, aber Reinecke hat die Kaczmareks in Verdacht. Und tatsächlich trifft er Martin auf dem Grasweg. Vor Gericht wird er aussagen, den jungen Kaczmarek auf frischer Tat ertappt zu haben. Reinecke lässt den Knüppel sprechen. Der Teufel tut sein Werk. Der Sohn bricht blutend zusammen. Als seine Eltern ihm zur Hilfe kommen, erteilt auch sie ihr Schcksal. „Ich habe zugeschlagen, bis sie zu Boden gegangen sind. Das ging ziemlich schnell. Das war´s dann. Ein Abwasch.“ Für Reinecke war es Notwehr, psychisch wie psysisch. Er hat nichts getan, nur sich verteidigt und das Recht: die Straßenverkehrsordnung, das Kleingartengesetz der Bundesrepublik Deutschland und das  des Landes Niedersachsen. Vor dem Landgericht Hildesheim bemühte er eine höhere Instanz als die menschliche: „Ich bin kein Mörder und Totschläger. Eines Tages stehe ich vor dem Richterstuhl des Ewigen, und ich weiß, er spricht mich frei.“ Für den ermittelnden Staatsanwalt ist Reinecke ein Mörder und Verbrecher, ein Mann der „unbändigen Wut“ und des „menschenverachtenden Vernichtungswillens“, was seine Schuld besonders schwer macht. Was ihm trotz langjähriger Gefängnisstrafe noch Befriedigung gab, war der Kampf für Sitte, Recht und Ordnung. Da, so sagte er vor Gericht, sei er „ziemlich pingelig“.

Die Bestechung von Abgeordneten soll wirklich verboten werden?

Kaum zu glauben! Bisher hatten sich CDU, SPD und vor allem FDP immer geweigert, so etwas überhaupt in Betracht zu ziehen. Einige, oft von Politikern besuchte Lokale sollen bereits schon, spezielle Tischdecken getestet haben.